Der Gestaltungsprozess

Genau wie der Baum beim Wachsen von Moment zu Moment entscheidet, in welche Richtung sich seine Äste ausdehnen, welche nächste Windung er nehmen will, genau so schauen wir von Moment zu Moment, welches Foto, welches Zitat, welches Gedicht den Baum schmücken will, was sich zueinander gesellen mag.
Da gibt es kein Wissen, kein Lernen darin, nur ein tiefes Fühlen aus dem eigenen inneren Raum heraus – in jedem einzelnen Augenblick.

Denken, Fühlen und Handeln sind dabei ein einheitlicher gestalterischer Prozess, nicht eine rein intellektuelle, vom Fühlen und der eigenen Körperwahrnehmung abgetrennte Handlung.

Ausgangspunkt ist dabei stets, eigene Fotos und lyrische Texte sowie gegebenenfalls weitere Gestaltungsmittel zueinander in Beziehung zu setzen, in freier Assoziation, schweigend, in einer fühlenden Wahrnehmung der Mitwirkenden zueinander und zum Baum.

Damit ist es auch nicht lediglich ein “Komm, wir dekorieren mal einen Baum mit Text und Bild.” Die Form ist weniger relevant als der Prozess selbst. Die Verbindung der Mitwirkenden zueinander und zum Baum sind essentielle Aspekte.

Der PoeTree, wie ich ihn verstehe, ist dabei stets ein Baum in der Natur, nicht ein Ast in einem Gebäude oder ähnliches. Besonders schön ist es, wenn eine Nutzung „öffentlicher“ naturnaher Flächen, wie etwa Parks oder Gärten, möglich ist. Aus dem jeweiligen Moment heraus mag sich entscheiden, ob ein eher belebter oder stillerer Ort gerade stimmig erscheint. Ebenso der Baum selbst – er muss nicht gesucht oder gefunden werden, er ist einfach da – im passenden Augenblick.

Auch die Umgebungsbedingungen, Regen, Wind, Sonne, die Menschen drumherum, andere Pflanzen und Tiere, Witterungsprozesse – alles ist Teil der Installation, alles gestaltet mit.

Zu einem späteren Zeitpunkt werden die Objekte wieder abdekoriert. Witterungsprozesse, Entwendung von Bildern, Wegwehen von Texten durch den Wind, Verwaschen der Schrift durch den Regen, – alles ist eine stetige Transformation des Entstandenen … es geht weiter und weiter…die offene Spirale …

“Simplicity of form is not necessarily simplicity of experience.”

(Robert Morris)

PoeTree Installationen Cagliari 2014

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